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DIE HEUTIGE ORGEL DER MARTINSKIRCHE

Beim Wiederaufbau der Martinskirche wurde von Anfang an auch an den Einbau einer neuen Orgel gedacht. Schon 1948, also ein Jahr vor Fertigstellung der Martinskirche nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, wurde mit der Planung der neuen Orgel begonnen.

Schon am Weihnachtsfest 1951 wurde die neue Orgel, gebaut von der Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie, Ludwigsburg, eingeweiht und von der Gemeinde freudig begrüßt. Freilich war diese zunächst nur ein Teilbau mit nur 2 Pedalregistern sowie den Registern des Hauptwerks. 1955 wurden dann die fehlenden Register des Pedalwerks sowie das Positivwerk eingebaut.

Der Orgelsachverständige Kirchenmusikdirektor Walther Lutz, der die Orgel 1955 abnahm, stellte dazu schon grundsätzlich fest, dass "bei der Größe der Kirche eigentlich eine dreimanualige Orgel angebracht wäre, ein derartiges Werk würde dem 'Filderdom' wohl anstehen."

Die Orgel der Martinskirche hat in den Folgejahren ihren Dienst gut getan, auch wenn die baulichen Mängel und die gravierenden Probleme, die durch die Materialien der Nachkriegszeit bedingt waren, nicht grundsätzlich behoben werden konnten.

Die Orgel der Martinskirche

Stets wurde überlegt, wie man die Orgel mit geringstmöglichem Aufwand in einen sinnvollen Zustand bringen könne. So wurde 1989/90 die Orgel wieder technisch instandgesetzt. In diesem Zusammenhang musste der Spieltisch samt Klaviaturen neu eingebaut werden und auch die Pedaltraktur wurde teilweise erneuert.

1994 waren wiederum größere Reparaturen an den Windladen, dem Schwellwerk sowie dem Pedalwerk nötig, da - wie der heutige Orgelsachverständige Volker Lutz sagt - "die ursprüngliche Konstruktion - und die des 1989 reparierten Hauptwerks fehlerhaft war."

2004 - in der Zeit der Außenrenovierung - kam erneut die drängende Frage auf, wie man mit der reparaturbedürftigen Orgel weiterverfahren wolle. Man entschloss sich, der Außenrenovierung der Martinskirche den Vorrang zu geben und baute eine elektronische Setzeranlage ein, wobei am Spieltisch nur die allernotwendigsten Änderungen ausgeführt wurden. Auch die Schleifendichtungen des Hauptwerks und des Schwellwerks wurden aus Kostengründen nicht ersetzt.

Auch für den Laien wird in dieser Aufstellung deutlich, dass immer wieder überlegt wurde, wie die Orgel in der Martinskirche spielbereit gehalten werden könne. Leider jedoch können wir nicht weiterhin so verfahren.

WARUM EINE NEUE ORGEL?

Orgelpfeifen

Der Orgelsachverständige Volker Lutz begründet dies in seinem Gutachten vom 1. Februar 2010 so: "Die Orgel zeigt in ihren Haupt-Bauteilen deutlich die Herkunft der frühen 50er Jahre: Die Metallpfeifen (...) sind bis in die 4‘-Lage aus Zink, damals verwendetes Ersatzmaterial anstatt der eigentlich richtigen Zinnlegierungen. Beim Bau der Windladen - eine "exotische" nicht lange gut funktionierende Bauweise, die aber kostensparend war - wurden weitgehend Sperrholz und Pressspanplatten verwendet."

Die Schleifendichtungen sind in Kunststoff ausgeführt. Der Weichmacher ist ausgedünstet. "Hier ist demnächst mit Störungen zu rechnen." Und so geht es noch weiter. Immer wieder wird deutlich, wie reparaturanfällig unsere Orgel doch geworden ist, sodass mit erheblichen Kosten in naher Zukunft zu rechnen sei.

Die Alternative: Reparaturen, mit z. T. erheblichem finanziellen Bedarf, oder Orgelneubau. Und der Orgelsachverständige spricht sich dafür unumwunden aus: "Ich empfehle dringend, auf einen Neubau zuzugehen. Für einen Neubau bietet der Kirchenraum günstige Voraussetzungen."

Und er schließt: "Mit den heute im Orgelbau (wieder) zur Verfügung stehenden erstklassigen Materialien und dem hohen Standard der Konstruktion, handwerklicher Arbeit und dem Wissen um Mensurierung und Intonationstechniken, die in der jüngeren Vergangenheit verloren gegangen waren, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass einer heute gebauten Orgel eine lange Lebensdauer vorausgesagt werden kann."

Der Kirchengemeinderat hat sich mit der Orgel befasst und möchte mit dieser Stiftung die Basis schaffen, eine neue Orgel bauen zu können. Die neue Orgel wird etwa 800.000 Euro kosten. Da es für eine Orgel keine Zuschüsse aus der Kirchensteuer gibt, müssen die gesamten Kosten vollständig durch Spenden und Stiftungen aufgebracht werden.

Ernst-Martin Lieb