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Gebäude und Geschichte der Martinskirche

Die Kirchenfenster

Hier ein Überblick über die Fenster im Chorraum der Martinskirche
Fenster Martinskirche_links Fenster Martinskirche halblinks Fenster Martinskirche_Mitte Fenster Martinskirche halbrechts Fenster Martinskirche rechts
Fotogalerie zu den Fenstern

Aus der Geschichte der Martinskirche

Der Filderdom

Die Martinskirche, genannt Filderdom

Die von Christian F. Leins erbaute, neugotische Martinskirche, der "Filderdom". Das Bauwerk war mit seinem 63 Meter hohen Turm die weitaus größte Kirche auf den Fildern.

Der Stuttgarter Architekt und Baumeister Christian Friedrich von Leins (1814 bis 1892) schuf neben vielen anderen Bauwerken auch den Königsbau, die Villa Berg und die Johanneskirche.


Die alte Möhringer Kirche

Die alte Möhringer kirche nach einer Zeichnung von C.F.Leins vor dem Teilabriss.

Die alte Möhringer Kirche von 1464/66, gezeichnet vom Baumeister der neugotischen Kirche, Christian F. Leins, vor ihrem Teilabbruch bzw. Umbau im Jahr 1853.


Die Geschichte der Martinskirche

Die Martinskirche

Von dem Aussehen der Möhringer Martinskirche können wir uns erst seit den Neu- und Umbauarbeiten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Bild machen. An einen älteren, romanischen Vorgängerbau erinnern lediglich noch die beiden Säulen, die heute die Innenseite des Spitalhoftores zieren.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Kirche so baufällig geworden, dass eine Erneuerung erforderlich wurde. Nachdem 1459 sogar der Kirchturm einstürzte, wurde mit dem Baumeister der Esslinger Frauenkirche, Hans Böblinger, ein Vertrag zu dessen Neubau geschlossen. Die vermutliche Fertigstellung zeigt ein Schlussstein des unteren Turmgewölbes, der die Zahl 1466 trägt. Zwei Jahre danach erhielt der Turm eine neue Glocke, auch das spätgotische Netzgewölbe im Chor stammt aus dieser Zeit. Die beiden Epitaphe befanden sich zu dieser Zeit noch unten am Turm, erst Christian F. Leins hat sie Ende des 19. Jahrhunderts in die Südwand des Chors eingebaut.

Ende des 16. Jahrhunderts wurden im Innenraum der Kirche wichtige Verbesserungen vorgenommen. Die Jahreszahl 1595 über der Tür zur Sakristei erinnert an das Jahr, in dem der neue Taufstein eingeweiht und vermutlich auch die Orgel auf der Empore errichtet wurde. In jene Zeit fiel auch der Bau der Empore auf der die Männer dem Gottesdienst beiwohnten während Frauen und Kinder unten Platz nahmen.

Die alte Möhringer Kirche wurde im Lauf des 19. Jahrhunderts für die langsam aber stetig anwachsende Kirchengemeinde zu klein. Neubaupläne kamen auf, die durch die Baufälligkeit des Turmes angeregt wurden. Trotz erheblicher Probleme bei der Finanzierung wurde 1852/53 der Kirchturm erneuert. Eine neugotische Steinspitze mit gusseiserner Pyramide und Laterne trat an die Stelle der oberen Fachwerkkonstruktion des alten Turms mit dem Satteldach. Auch das große Westportal mit dem darüber liegenden Fenster wurde erst jetzt erschaffen.

Dem Bau des neugotischen Kirchenschiffs 1853 bis 1855 mit seinen hohen Emporen und Gewölben lagen dann Pläne des bekannten Baumeisters Christian Leins zugrunde. Beim Abbruch der alten Kirche im Jahr 1853 wurde die Renaissancekanzel aus der Zeit 1595 stammend, abgebaut und beiseite gestellt. Nach einer Bauzeit von nur 19 Monaten konnte das im Volksmund Filderdom genannte Gotteshaus am 11. November 1855 - dem Namenstag des Kirchenheiligen Sankt Martin - seiner Bestimmung übergeben werden.

Trotz aller äußerer Pracht traten schon nach kurzer Zeit bauliche Mängel offen zutage. Die Kosten für den laufenden Unterhalt wurden ein kaum zu lösendes Problem für die Gemeinde. Sämtliche Versuche, den Zerfall der Kirche aufzuhalten blieben Flickwerk so, dass das gesamte Gebäude bereits 1935 generalüberholt werden musste. Am 20. Oktober 1935 konnte die neuerliche Einweihung stattfinden.

Neun Jahre nach Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Martinskirche wurde das Gebäude in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1944 durch einen Luftangriff der Alliierten praktisch vollständig zerstört. Bereits 4 Jahre später konnte nach der Währungsreform im Juni 1948 mit dem Wiederaufbau begonnen werden, wobei sich die Verbundenheit der Möhringer mit ihrer Kirche in einer fast "undenkbaren eigeninitiativen Tätigkeit" äußerte. Am 16. Oktober 1949 wurde das wiederhergestellte Gotteshaus geweiht. Infolge der Wirtschaftslage der Zeit konnte die Kirche nur vereinfacht restauriert werden. Äußerlich machte sich das an der vereinfachten Turmspitze bemerkbar, im Inneren musste vor allem auf die hochgemauerten, alten Gewölbe verzichtet werden. Eine eingezogene Holzdecke trennt seither die zweite Empore vom heutigen Kirchenraum ab.

Ende des 20. Jahrhunderts waren Schäden an der Außenfassade sowie an den Dächern der Kirche kaum mehr zu übersehen. Nachdem die laufenden Unterhaltskosten für notwendige Sanierungsarbeiten stark angestiegen waren hat die Gesamtkirchengemeinde Möhringen Ende 2000 eine Außensanierung der Kirche beschlossen. Bereits Ende 2002 konnten in einem 1. Bauabschnitt die Arbeiten am Chor der Kirche abgeschlossen werden. 2004 folgten die Arbeiten am Turm. Dank der großen Spendenbereitschaft der Möhringer Bürger konnten auf den Giebeln der 4 Schallläden Kreuzblumen errichtet werden, die an das Erscheinungsbild des "Filderdoms" vor dem Krieg erinnern.

Die Glocken der Martinskirche

Eine kleine Glockengeschichte

Schon im spätgotischen Vorgängerbau der Martinskirche hingen vier Glocken. Im 2. Weltkrieg mußten drei Glocken für Rüstungszwecke abgeliefert werden, die vierte verglühte bei der Bombadierung der Martinskirche im März 1944.

Nach dem Wiederaufbau konnte zunächst eine Glocke, die Kreuzglocke, zum Gottesdienst einladen. Sie wurde von Möhringern, die nach Amerika ausgewandert waren, gestiftet. Am 4.10.1952 konnten dann die drei weiteren Glocken eingeholt werden, die das heutige Geläut der Martinskirche bilden.

Die Glocken und ihre Inschriften

  1. Dominika, Cis'  , 1589 kg, Ø 1,46m, Inschrift (u.a.): »Johann Gottlob Krieger goss mich in Breslau im Jahre 1806«, dazu den Namen vermutlich des Stifters: »Gottlob Heinrich von Francke, Herr von Rückersdorf und Hirschelde.«
    Die Dominika ist eine Leihglocke von der Gemeinde Rückersdorf, Kreis Sprottau, östlich der Oder-Neiße-Linie.
  2. Betglocke, E'  , 1140 kg, Ø 1,22m, Inschrift: »Dein Reich komme!«
  3. Kreuz- und Zeichenglocke, Fis'  , 840 kg, Ø 1,09 m, Inschrift:»Wachet und betet.« Gespendet von ausgewanderten Möhringern.
  4. Taufglocke, Gis'  , 560 kg, Ø 0,966m, Inschrift »Wer da glaubt undgetauft wird, der wird selig werden.«

Die Läuteordnung

Die aktuelle vom Gemeinderat der Martinskirche beschlossene Läuteordnung trat am 1. Advent 2006 in Kraft.

Zum Hauptgottesdienst am Sonntag läuten alle Glocken, das 1. Vorläuten erfolgt mit der Zeichenglocke das 2. Vorläuten mit der Dominika. Daneben werden die Zeiten des Kirchenjahres, wie Advent und Passion, besonders gekennzeichnet, indem hier zum Gottesdienst nur mit drei Glocken geläutet wird: 2. -  4. Advent (Zeichen-, Betglocke und Dominika); Passionssonntage (Tauf-, Betglocke und Dominika ergeben dann einen  Mollakkord).

Beim Gottesdienst übernimmt die Betglocke das Vater-Unser-Läuten. Die Taufglocke begleitet den Taufakt im Gottesdienst und ruft damit die zu Hause gebliebenen Gemeindemitglieder zur Fürbitte für den Täufling. Zur Bekanntgabe bei Todesfällen nach 18 Uhr wird die Kreuz- bzw. Zeichenglocke und die Bet- und Kreuzglocke zur Beerdigung geläutet.

Das Läuten zu den Tageszeiten erinnert jeden Tag neu an wesentliche Ereignisse im Leben Jesu:

  • Morgenläuten um 7 Uhr (Betglocke) - Jesu Auferstehung von den Toten.
  • Läuten um 11 Uhr (Kreuzglocke) - die hereinbrechende Finsternis, als Jesus am Kreuz hing.
  • Läuten um 12 Uhr (Betglocke) - Bitte um Frieden in unserer Welt.
  • Um 15 Uhr (Kreuzglocke) - Jesu Todesstunde.
  • Um 18 Uhr (Betglocke) - Abend des Lebens und der Welt. Wir werden aufgefordert, diesen Tag vor Gott im Gebet zu bedenken und uns und unsere Welt ihm anzubefehlen.

So erinnern die Glocken täglich neu an den, der für uns als Kind in diese Welt kam, für uns gelitten hat und den Tod auf sich nahm, und der von Gott wieder auferweckt wurde. Das soll uns ermutigen für unser Leben, damit auch wir uns einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt.

Neue Taufschale für den Taufstein der Martinskirche

1. Advent 2008

Taufstein mit neuer Schale

Am 1. Advent 2008 erhielt der altehrwürdige, gotische Taufstein der Martinskirche eine neu gestaltete Taufschale. Die Plieninger Künstlerin G. Angelika Wetzel hat sie entworfen und gefertigt.

Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1595, ebenso wie der Eingang zur Sakristei und die ehemalige Steinkanzel, die seit einigen Jahren als Lesepult wieder genutzt wird. Die Künstlerin G. Angelika Wetzel hat sich mit unserem Taufstein lange auseinandergesetzt und hat ihn auf sich wirken lassen.

Sie hat die Taufschale wie eine lebendige, pulsierende Wasserquelle gestaltet. Dies soll auf das zentrale Symbol der Taufe, das lebendige Wasser hinweisen. Von ihm sagt Jesus: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Johannes-Evangelium Kapitel 7 Vers 38)

Enthüllung neue Taufschale

Der gotische Taufstein mit seinem achteckigen Kessel auf einem viereckigen Fuß – er steht wieder, wie vor dem 2. Weltkrieg zentral vor dem Altar – erhält durch das neue Taufbecken ein neues Aussehen und besonderes Gewicht inmitten der Kirche.

Die finanziellen Mittel dafür und zur dazugehörigen Taufkanne, sowie für die neuen Kerzenständer auf dem Altar, wurden insbesondere durch den Bastelkreis der Martinskirche beim Basar erwirtschaftet. Für das große Engagement bedanken wir uns bei allen Bastelfrauen sehr herzlich.

Turmhalle der Martinskirche renoviert

Vor Weihnachten 2008 konnte die Renovierung und Neugestaltung der Turmhalle der Martinskirche abgeschlossen werden. An den Wänden ist nun die lange Geschichte der Kirche kurz und prägnant dargestellt. Die vielfältigen Plakate und Handzettel haben nun ebenfalls einen angemessenen Platz gefunden.

Turmhalle

Bei der Renovierung gab uns das Deckengewölbe so manche Frage auf, die nicht vollständig gelöst werden konnten. Der Schlussstein des nun nach mittelalterlicher Farbgebung wieder restaurierten Gewölbes trägt die Jahreszahl 1466. Doch alle uns bekannten schriftlichen Quellen bis etwa 1955 sprechen davon, dass der Turm ebenfalls 1464 fertig gestellt worden sei. Haben sich also alle geirrt? Haben sie diesen Schlussstein einfach ignoriert? Oder wurde der Schlussstein erst nach dem zweiten Weltkrieg – also beim Wiederaufbau eingefügt und dann mit falscher Jahreszahl gefertigt?

Turmhalle Schlußstein

Diesen Fragen ging insbesondere unser ehemaliger Kirchengemeinderat Ulrich Schwab nach, der schon vor einigen Jahren die Geschichte der Martinskirche genau recherchiert hatte.

Doch, wie gesagt, eine klare Antwort auf obige Fragen haben wir noch nicht. Weitgehend klar ist, dass dieses Gewölbe beim Brand der Kirche 1944 wohl nicht eingestürzt ist, da man z.B. noch die ausgefüllten Löcher in der Decke für die Glockenseile sehen kann. Auch der Befund des Restaurators, der die mittelalterliche Bemalung der Gewölberippen eindeutig feststellte, spricht dagegen.

Es bleibt also unklar, warum die historischen Quellen anderes behaupten. Haben sie einfach voneinander falsch abgeschrieben? Im Zeitalter des Internets ist uns dies ja ein vertrauter Fehler. Wie dem auch sei, vielleicht wird sich das Rätsel ja einst lösen. Wir freuen uns über sachkundige Beiträge.

Die alte Turmuhr

Alte Turmuhr

Über der Turmhalle hat nun die alte Turmuhr, die Herr Honig im Keller des Spitalhofs fand, wieder einen angemessenen Standort gefunden. Wir danken allen, die beim Transport, sowie beim Wiederaufbau mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gebührt den Herren Honig, Gessler und Schlienz, die sich gerne dieser Aufgabe stellten. Ein Dank auch an die mithelfenden Konfirmanden und Herrn Bruchmann, der zum Transport seinen LKW unentgeltlich zur Verfügung stellte. Kosten von rd. 3.000,-- € sind angefallen, weil der Turmboden das Gewicht der Uhr ohne weitere Verstärkung nicht hätte tragen können. Der Bezirksbeirat hat dafür 50 % bereitgestellt. Herzlichen Dank auch für die finanzielle Unterstützung.


Eine Fotoserie zum Transport der alten Turmuhr findet sich hier (Fotos: Werner Hennig).